Täuschung & Plagiat
Täuschung & Plagiat
Täuschungs- und Plagiatsvorwürfe entkräften - wissenschaftlichen Ruf wahren
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Täuschungs- und Plagiatsvorwürfe entkräften - wissenschaftlichen Ruf wahren
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Täuschung und Plagiat im Prüfungsrecht

Die rasante Entwicklung in der Informationstechnologie hat der Wissensgesellschaft eine ungeheure Menge an Vorteilen gebracht. So manche Fundstelle, deren Verkörperung in Buchform man in

früheren, noch gar nicht so lange vergangenen Zeiten erst mühsam in diversen Karteikartensystemen und verstaubten Bibliotheken der verschiedensten Hochschulinstitutionen ausfindig zu machen hatte und oftmals sogar ganz vergeblich suchte, ist heute nur noch einen Mausklick entfernt.

Zeitgleich mit der schnellen Verfügbarkeit von Texten im Internet hat jedoch eine verhängnisvolle Arbeitsmethode in den Bildungseinrichtungen Einzug gehalten: Nicht wenige Verfasser einer studentischen Arbeit halten es für eine gute Idee, eine fremde Quelle erst einmal in den laufenden Text der eigenen Arbeit einzufügen, um sie anschließend, ohne Kenntlichmachung mittels Quellenangabe, sprachlich umzuformen. Anderen mag es als praktikabel erscheinen, den Text erst einmal zu kopieren und zu einem späteren Zeitpunkt „weiterzusehen“, was man damit macht. Vor beiden Vorgehensweisen kann nicht eindringlich genug gewarnt werden.

Denn wenn sich die betreffenden Stellen auch in der fertigen Abgabeversion noch finden und keine Quellenangabe enthalten, kann es sich nur ganz ausnahmsweise um eine zulässige Vorgehensweise handeln und zwar allein dann, wenn der fremde Inhalt bloß in der Wiedergabe von Allgemeinwissen besteht (z.B.: „Afrika ist ein Kontinent südlich von Europa“), denn solches ist nicht zwingend mit einer Quellenangabe zu versehen. Unproblematisch ist jedoch auch solch eine Wiedergabe von Allgemeinwissen ohne Quellenangabe nur dann, wenn dies mittels eigener Formulierungen erfolgt. Längere wortwörtlich übernommene Passagen ohne Quellenangaben sind unter dem Gesichtspunkt des Plagiates geradezu ein Debakel für jede studentische Arbeit.

Und in den meisten Fällen wird es sich auch nicht um Inhalte handeln, die sich dem Bereich des Allgemeinwissens zuordnen lassen. In der Folge wird das Verdikt der unzulässigen Aneignung fremden Gedankenguts unausweichlich, ohne dass es auf etwaig erfolgte sprachliche Umformungen noch großartig ankäme, die im Zweifel sogar als Versuch der Verschleierung gewertet werden dürften. Derartiges wissenschaftliches Fehlverhalten kann die schwerwiegendsten prüfungsrechtlichen Konsequenzen nach sich ziehen, wenn es entdeckt wird.

 
 
Plagiat Täuschung Teipel & Partner Rechtsanwälte

Nicht selten sehen sich Prüflinge mit dem Vorwurf eines Täuschungsversuch konfrontiert – mit der Konsequenz, dass die betreffende Prüfungsleistung mit „5,0“ bzw. „nicht bestanden“ bewertet wird. Besonders ärgerlich ist dies, wenn es sich um den letzten Prüfungsversuch gehandelt hat. Abgesehen von den insoweit eindeutigen Fällen stellt sich aber häufig die Frage, ob der Vorgang selbst überhaupt einen Täuschungsversuch darstellen würde: Ist es beispielsweise als Täuschung einzuordnen, wenn Prüflinge einen nicht zugelassenen Taschenrechner bei der Prüfung verwenden, obwohl dieser nachweislich in allen Bereichen einen geringeren Funktionsumfang aufweist? Dürfte dann selbst ein simpler „Rechenschieber“ nicht mehr verwendet werden? In solchen und ähnlich gelagerten Fällen erscheint bereits objektiv die Eignung zur Ergebnisbeeinflussung ebenso fraglich wie das Vorliegen einer darauf bezogenen subjektiven Komponente. Ist darüber hinaus bereits das Auffinden von prüfungsrelevanten Unterlagen in dem geöffneten und sich in Reichweite befindlichen Rucksack ausreichend für die Annahme eines Täuschungsversuchs? Über diese „Klassiker“ hinaus wird zunehmend auch die Frage aufgeworfen, ob die Einnahme vermeintlich leistungsfördernder Substanzen (Z.B. Ritalin) einen Täuschungsversuch zu begründen vermag.

 

Doch nicht nur das: Tausende Dissertationen von Ärzten, Zahnärzten, Rechtsanwälten, Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und Betriebswirten stehen im Fokus der Hochschulen und werden von selbsternannten Plagiatsjägern hartnäckig auf etwaige Unstimmigkeiten untersucht.

Auch im hochschulrechtlichen Betrieb kommt es im Rahmen von studienbegleitenden Prüfungen oder Abschlüssen immer häufiger zu Plagiatsvorwürfen.

Aber wann ist ein Plagiat eigentlich ein Plagiat? Eine eindeutige Definition ist hier ebenso wenig möglich, wie sich eine pauschale Betrachtung verbietet. Ob ein Plagiat vorliegt, ist immer eine Frage des Einzelfalls, bei deren Beantwortung eine Vielzahl von Kriterien zu beachten ist.

Insoweit ist auch zu berücksichtigen, dass es wissenschaftlichen Arbeiten geradezu immanent ist, dass diese insoweit fehleranfällig sind und kein Prüfling unfehlbar ist. So ist in der Praxis die schwierige Grenzziehung zwischen einer Täuschung und einem unsauberen wissenschaftlichen Arbeiten vorzunehmen. Bedauerlicherweise sind viele Hochschulen durch die umfangreich medial dargestellten prominenten Fälle übersensibilisiert worden und nahmen selbst bei nur geringfügig unsauberem wissenschaftlichen Arbeiten (wörtliches Zitat wurde als solche mit An- und Ausführungsstrichen gekennzeichnet und die richtige Quelle angegeben, jedoch ein „s.“ für „siehe“ ein „vgl.“ für „vergleiche“ verwendet) ebenso ein Plagiat an wie in Fällen des sog. „Selbstplagiats“ undifferenziert eine entsprechende Täuschung unterstellt wurde.

Eine zunehmende Besonderheit besteht auch darin, dass viele Prüferinnen und Prüfer im Rahmen studienbegleitender Prüfungen bereits dann ein Plagiat annehmen, wenn ein Prüfling vor dem Hintergrund einer zuvor erfolgten Themeneingrenzung in größerem Umfang schlichtweg auswendig gelerntes Wissen (häufig wurde hierfür zuvor eine Art „essay“ erstellt) zu Papier bringt und keine Quellenangaben vornimmt. Dieser Annahme haben die ersten verwaltungsgerichtlichen Entscheidungen hingegen eine klare Absage erteilt.

Insbesondere medizinische Dissertationen erweisen sich insoweit als risikobehaftet, da nicht selten auf vorhandene Untersuchungsergebnisse zurückgegriffen wird, die ihrerseits zum Gegenstand neuer Versuche gemacht werden, Untersuchungsmethoden geändert oder ergänzt werden sowie schlichtweg einige Tatsachen als unter Medizinern als bekannt vorausgesetzt werden.

Hier ist es die anspruchsvolle Aufgabe des Rechtsanwalts, nicht auf etwaige Gemeinsamkeiten abzustellen, sondern Unterschiede zu beleuchten, diese abzuwägen und zu gewichten. Darüber hinaus gelten auch im Rahmen von Verfahren zur Aberkennung einer Prüfungsleistung oder Entziehung eines akademischen Grades allgemeine und besondere Verfahrensgrundsätze, welche beachtet werden müssen und deren Nichtbeachtung die den Prüfling oder Doktoranden belastende Entscheidung rechtswidrig machen kann. 


Bei der Überlegung, wie richtig zu zitieren ist, handelt es sich um eine klassische Fragestellung der Universitätslaufbahn. Nicht wenige Abiturienten haben während ihrer Schulzeit keine Texte verfassen müssen, die mit Quellenangaben zu versehen gewesen wären, so dass sie sich an der Hochschule erstmals mit einer derartigen Aufgabenstellung konfrontiert sehen. Unsicherheit gibt es jedoch auf beiden Seiten und auch unter den Lehrenden und Prüfenden besteht nicht immer Einigkeit darüber, wie korrekt zu zitieren ist, was unzulässig und was noch erlaubt ist.

Anwälte von Teipel & Partner haben die Erfahrung gemacht, dass es in vielen Fällen zur Einstufung einer Arbeit als Plagiat kommt, obwohl die Prüflinge erkennbar keine Täuschungsabsicht hatten, und dass der Grat zwischen Recht und Unrecht sehr schmal sein kann. Zwar begründet nicht jede fehlerhafte Zitierweise gleich auch den Vorwurf der absichtlichen Täuschung und des Plagiats wegen nicht gekennzeichneter und damit unzulässiger Übernahme fremden Gedankenguts. Gleichwohl ist jedem Studenten dringend anzuraten, sich frühzeitig mit den Regeln einer korrekten wissenschaftlichen Arbeitsweise vertraut zu machen. Andernfalls kann es ein böses Erwachen geben.

Täuschung Plagiat Teipel & Partner Rechtsanwälte
 
 
 

Rechtslage: Allgemeinverbindliche Regeln existieren nicht

Bundesweit allgemeinverbindliche Regeln über die richtige Zitierweise existieren nicht. Die Vorschriften des Urheberrechtsgesetzes erschöpfen sich mehr oder weniger darin, den urheberrechtlichen Schutz eines Werkes zu beschreiben und den Fall seiner widerrechtlichen Verletzung zu sanktionieren. Auch § 51 UrhG, der sich mit Zitaten befasst, normiert lediglich deren grundsätzliche Zulässigkeit und detaillierte Vorgaben darüber, wie diese im Einzelnen auszusehen hätten, finden sich weder dort noch an anderer Stelle im Gesetz. Gleiches gilt für Prüfungsordnungen, Promotionsordnungen und andere hochschulrechtliche Regelwerke, die sich regelmäßig auf die unspezifische Forderung beschränken, fremdes Gedankengut als solches per Quellenangabe hinreichend zu kennzeichnen.



Grundsätze wissenschaftlicher Qualifikationsarbeiten

Einige universitäre Berufsverbände und Dachorganisationen haben ein „Gemeinsames Positionspapier“ mit dem Titel „Gute wissenschaftliche Praxis für das Verfassen wissenschaftlicher Qualifikationsarbeiten“ herausgegeben, das die wesentlichsten Grundsätze auflistet, die bei der Abfassung wissenschaftlicher und damit auch studentischer Arbeiten beachtet sein wollen.

Zwar regelt auch dieses Grundsatzpapier nicht en détail, auf welche Art und Weise nun genau zitiert werden soll. Doch die Beherzigung der darin angesprochenen Grundgedanken ist für einen jeden von elementarer Bedeutung, der innerhalb des Hochschulbetriebes eine rechtssichere und insbesondere unter dem Gesichtspunkt des unzulässigen Plagiats nicht angreifbare Arbeit verfassen möchte. Die betreffenden Programmsätze sind als eine Art „Magna Charta“ der wissenschaftlichen Textproduktion zu verstehen und seien aufgrund ihres mustergültigen Charakters an dieser Stelle wörtlich wiedergegeben:

„1) Originalität und Eigenständigkeit

Originalität und Eigenständigkeit sind grundsätzlich die wichtigsten Qualitätskriterien jeder wissenschaftlichen Arbeit. Dabei werden an diese Kriterien je nachdem, welche Qualifikation mit der Arbeit nachgewiesen werden soll, gestufte, sich steigernde Anforderungen zu stellen sein.

Die Güte einer wissenschaftlichen Qualifikationsarbeit bemisst sich - insbesondere in den Geistes- und Sozialwissenschaften - aber auch nach der Fähigkeit des Autors, fremden Gedankengängen und Inhalten aus wissenschaftlichen Vorarbeiten vor dem Hintergrund eigener Erkenntnis einen eigenen sprachlichen Ausdruck zu verleihen. Erst mit diesem mit Zitaten bzw. Verweisen belegten Vorgang macht sich ein Verfasser fremde Gedanken und Resultate legitimerweise zu Eigen.

Insbesondere in den Natur- und Ingenieurwissenschaften beweist sich Originalität und Eigenständigkeit im experimentellen Design, der kritischen Analyse und Wertung der Daten und der Fähigkeit, in differenzierender Weise erhobene Ergebnisse in den wissenschaftlichen Kontext einzubinden.

 

2) Recherche und Zitation

Alle Qualifikationsarbeiten erfordern ein korrektes und sorgfältiges Recherchieren und Zitieren bzw. Verweisen. Durchgängig und unmissverständlich muss für den Leser erkennbar sein, was an fremdem geistigem Eigentum übernommen wurde. Was wörtlich und gedanklich entlehnt wird, muss deutlich erkennbar sein.


„Gute wissenschaftliche Praxis für das Verfassen wissenschaftlicher Qualifikationsarbeiten“, Gemeinsames Positionspapier des Allgemeinen Fakultätentags (AFT), der Fakultätentage und des Deutschen Hochschulverbands (DHV) vom 9. Juli 2012, S. 3-5


3) Einflüsse

In Qualifikationsarbeiten sollten stets alle (externen) Faktoren offen gelegt werden, die aus der Sicht eines objektiven Dritten dazu geeignet sind, Zweifel am Zustandekommen eines vollständig unabhängigen wissenschaftlichen Urteils zu nähren. Sinnvoll erscheint es auch, die Förderung eines Werkes durch Stipendien, Drittmittel oder wirtschaftliche Vorteile kenntlich zu machen.


4) Zuschreibung von Aussagen

Zu den Grundregeln wissenschaftlichen Arbeitens gehört, dass der Autor sorgfältig darauf achtet, zitierten Autoren keine Aussagen zu unterstellen, die diese nicht oder nicht in der wiedergegebenen Form gemacht haben.


5) Übersetzungen

Wer fremdsprachliche Texte selbst übersetzt, hat dies unter Benennung der Originalquelle kenntlich zu machen. Gerade bei einer „sinngemäßen Übersetzung“ ist darauf zu achten, dass dem übersetzten Autor kein Text unterstellt wird, den er mit diesem Inhalt nicht geäußert hat. Wer sich auf Übersetzungen Dritter stützt, hat dies kenntlich zu machen.

 

6) Fachspezifisches Allgemeinwissen

Das tradierte Allgemeinwissen einer Fachdisziplin muss nicht durch Zitierungen bzw. Verweise nachgewiesen werden. Was zu diesem Allgemeinwissen zählt, ist aus der Sicht der jeweiligen Fachdisziplin zu beurteilen. Im Zweifel obliegt eine Entscheidung der Institution, die die angestrebte Qualifikation bescheinigt.

 


7) Plagiate und Datenmanipulation

Das Plagiat, also die wörtliche und gedankliche Übernahme fremden geistigen Eigentums ohne entsprechende Kenntlichmachung, stellt einen Verstoß gegen die Regeln korrekten wissenschaftlichen Arbeitens dar. Gleiches gilt für die Manipulation von Daten. Plagiate und Datenmanipulationen sind im Regelfall prüfungsrelevante Täuschungsversuche.


8) Eigene Arbeiten und Texte

Die Übernahme eigener Arbeiten und Texte verstößt dann gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis, wenn diese Übernahme in einer Qualifikationsarbeit nicht belegt und zitiert wird. Prüfungsordnungen können die Wiederverwertung desselben oder ähnlichen Textes desselben Verfassers ausschließen. Dies gilt insbesondere für Dissertationen.


9) ,Ghostwriting’

Ein schwerwiegender Verstoß gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis ist das Zusammenwirken des Verfassers mit einem Dritten, der Texte oder Textteile zu einer Qualifikationsarbeit beisteuert, die der Autor mit dem Einverständnis des Ghostwriters als eigenen Text ausgibt.

 

10) Mehrere Autoren

Bei gemeinschaftlichen Qualifikationsarbeiten ist der eigene Anteil des jeweiligen Autors dem Leser gegenüber deutlich zu machen. Dies schließt aus, dass jemand Autor sein kann, der selbst keinen ins Gewicht fallenden Beitrag zu einer Qualifikationsarbeit geleistet hat. Ehrenautorschaften oder Autorschaften kraft einer hierarchisch übergeordneten Position ohne eigenen substantiellen Beitrag sind grundsätzlich wissenschaftliches Fehlverhalten."


 

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